Das Fan-Projekt Dortmund e.V. nimmt die öffentliche Darstellung der Polizei Dortmund zur gestrigen Durchsuchung seiner Räumlichkeiten zur Kenntnis, hält jedoch eine fachliche Einordnung aus Sicht der Jugendhilfe für erforderlich.
In der Stellungnahme der Polizei Dortmund (mittlerweile abgeändert) wurde das Fan-Projekt Dortmund e.V. fälschlicherweise als „Fanlokal“ bezeichnet. Beim Fan-Projekt Dortmund e.V. handelt es sich um eine sozialpädagogische Jugendhilfeeinrichtung nach § 8 SGB VIII und sollte auch als diese betrachtet werden. Die Arbeit von Fanprojekten basiert auf freiwilliger Inanspruchnahme, Vertraulichkeit und tragfähigen Beziehungen zu jungen Menschen. Diese Grundlagen sind zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Präventions- und Deeskalationsarbeit rund um Fußballspiele von Borussia Dortmund.
Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) definiert Fanprojekte ausdrücklich als eine eigenständige, unabhängige Säule der Gewaltprävention im Fußball und betont die Bedeutung von Vertrauensarbeit, Niedrigschwelligkeit und einer klaren Abgrenzung zwischen Sozialer Arbeit und polizeilicher Gefahrenabwehr. Vor diesem Hintergrund ist besondere Sensibilität erforderlich, wenn polizeiliche Maßnahmen Fanprojekte unmittelbar betreffen.
Das Fan-Projekt Dortmund e.V. betont ausdrücklich, dass es weder Straftaten toleriert, duldet noch unterstützt. Gleichzeitig sieht das Fan-Projekt Dortmund e.V. seine Aufgabe darin, aufkommende Konflikte frühzeitig wahrzunehmen, Gespräche zu ermöglichen und im Sinne aller Beteiligten deeskalierend zu wirken.
Wie dem Fan-Projekt von der Polizei mitgeteilt wurde, soll es im Vorfeld der Partie zwischen Borussia Dortmund und Inter Mailand zu einem Übergriff einer Gruppe von Dortmund-Fans auf Inter-Mailand-Fans gekommen sein. Im Anschluss daran wurde laut Polizei Dortmund beobachtet, dass die potenziellen Täter*innen die Räumlichkeiten des Fan-Projekts betreten haben sollen. Diese Annahme führte zu einer polizeilichen Maßnahme, im Zuge derer die Personalien der sich in den Räumlichkeiten des Fan-Projekts befindlichen Fußballfans aufgenommen wurden.
Die Dortmund-Fans verhielten sich während der gesamten Maßnahme besonnen und kooperativ. Während der Maßnahme bestand aufgrund der räumlichen Begebenheiten und eines Drohneneinsatzes zu keinem Zeitpunkt Fluchtgefahr. Mitarbeitende des Fan-Projekts konnten gemeinsam mit der Fanhilfe Dortmund in einen lösungsorientierten Dialog mit der Polizei treten. Hierdurch konnte eine sowohl von den Fans als auch von der Polizei kompromissbereite Herangehensweise zur Aufnahme der Personalien abgestimmt werden, um eine Eskalation zu verhindern.
Nach Beendigung der Personalienfeststellung durch die Polizei wurden auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses die Räumlichkeiten des Fan-Projekts durchsucht. Dabei wurden keine relevanten Gegenstände festgestellt.
Die Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fan-Projekt Dortmund e.V. stellt ein Novum in der Geschichte des Fan-Projekts dar. Ein solcher Vorgang ist dem Fan-Projekt seit nahezu 40 Jahren Fanprojektarbeit nicht bekannt. Die Maßnahme bedeutet eine erhebliche Zäsur in der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Fanprojekten und Polizei.
Durchsuchungen in Fanprojekten senden ein problematisches Signal: Sie greifen in die notwendige Vertraulichkeit der Arbeit ein und schwächen jene Strukturen, die dazu beitragen, Konflikte frühzeitig wahrzunehmen und deeskalierend zu bearbeiten. Solche Maßnahmen dürfen keinesfalls zur Normalität werden. Dieser Vorgang stellt einen Tiefpunkt in der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Fußballfans, Polizei und Fanprojekten als Vermittlungsinstanz dar.
Dieses Ereignis ist aus Sicht des Fan-Projekt Dortmund e.V. einzuordnen in ein verschärftes, teilweise unverhältnismäßiges Vorgehen seitens der Polizei gegenüber Fußballfans (Beitrag der Fanhilfe Dortmund) sowie gegenüber Mitarbeitenden des Fan-Projekts. Die Begleitung der Fans während der polizeilichen Maßnahme war durch die Mitarbeitenden des Fan-Projekts nur eingeschränkt möglich. Auch in den vergangenen Wochen kam es zu erschwerten Bedingungen bei der Begleitung polizeilicher Maßnahmen.
Prävention, Vertrauensarbeit und ordnungsrechtliche Maßnahmen verfolgen unterschiedliche Logiken und Rollen. Trotzdem ist es für eine nachhaltige Gewaltprävention entscheidend, die Unabhängigkeit und die Arbeit der Fanprojekte zu wahren und zu stärken.
Das Fan-Projekt Dortmund e.V. fordert alle Beteiligten dazu auf, zum Dialog zurückzukehren und die Integrität des Fan-Projekt Dortmund e.V. als soziale Einrichtung zu respektieren. Das Fan-Projekt Dortmund e.V. ist an einer konstruktiven Aufarbeitung des gestrigen Einsatzes interessiert und steht für einen fachlichen Dialog mit Polizei, Stadt, Träger und weiteren Beteiligten zur Verfügung.
